02.09.07

1904 - 1905 am Nationaltheater Berlin

Mitte 1904 (und bis 1905) wechselte Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor an das Nationaltheater am Weinbergsweg, Berlin. Es wurde am 29. September 1904 neu eröffnet und stand unter der Direktion von Hugo Becker (ehem. Mit-Direktor des Theater des Westens) und des Kapellmeisters Wilhelm Reich.


Quelle: Berliner Telefonbuch 1905


Quelle: "Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1905"
            der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger  (Seite 132)

"Das National-Theater in Berlin, als volkstümliche Opernbühne von Dir. Hugo Becker zu Beginn des Herbstes [A.d.V.: 1904] ins Leben gerufen und nicht ohne künstlerische Erfolge geleitet, schließt seine erste Spielzeit, welche zugleich die letzte ist. Auch der vorübergehende Eintritt des Herrn Dir. Leopold Müller aus Wien in die Direktion hatte nicht verhindern können, daß das Unternehmen nicht in der gehofften Weise prosperierte, woran wohl die Lage des Theaters am Weinbergsweg, und die der Oper nicht günstige Beschaffenheut des Raumes wesentliche Schuld trugen. Das zum größten Teil durch mehrjährige Verträge gebundene Personal löst sich auf. Als Possenbühne unter dem Namen Walhalla Theater [A.d.V.: Walhalla Varité-Theater] wird das Haus am 1. Oktober [A.d.V.: 1905 - 1914] wieder geöffnet."


Aus der Kritik der Dresdner Zeitung vom 13. April 1905
Zauberflöte, Tamino

Als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" gastierte Herr Gustav Zeitzschel vom Nationaltheater in Berlin mit recht günstigem Erfolge, leider jedoch, wie man hört, nicht auf Engagement. Die Bildnisarie geriet ... ganz vortrefflich, auch im Verlauf der Oper büßte die Stimme nichts an tenoralem Schmelz ein, und seit langem haben wir eine lyrische Partie nicht so schön singen gehört, wie am Dienstag. Er übertrifft in mehr als einer Beziehung Herrn Saville.

Nürnberger / Fürther Zeitung: 1905
Barbier von Sevillia, Almaviva

Einen tüchtigen lyrischen Tenor lernten wir in Herrn Gustav Zeitzschel kennen; die Stimme besitzt Kraft und Fülle in den Höhenlagen, wie vollständig ausgeglichene Register der Mittelpartie bei überaus sympatischer Klangfarbe. Das Spiel zeigt dramatisches Leben und charakterisiert Stimmungen in Szenen und jede wechselnde Empfindungen des Helden.


Verschiedene Berliner Zeitungen (2. Oktober 1904)
Wildschütz, Graf Kronthal

Aus der recht undankbaren Rolle des Barons Kronthal holte Herr Zeitzschel mit seiner gewandten Spielweise und schmiegsamen Tenorstimme heraus, was da zu holen ist.

Von den Solisten ist Herr Gustav Zeitzschel zuerst zu nennen. Sein wohlklingender, mühelos ansprechender Tenor erfreit durch Gleichmäßigkeit der Tongebung in allen Lagen, und die Textbehandlung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, ohne daß das Legato irgendwie darunter litte. Die Darstellung ist bereits ganz gewandt, so daß der Gesamteindruck dieser Leistung (Graf Kronthal) ein entschieden günstiger war.